IMG_2252Immer wieder stranden Autos wegen mangelnder Zuwendung hilflos und verlassen am staubigen Straßenrand. Als Mielke, der letzte Stasivorsitzende, seinen Zuhören verzweifelt versicherte, dass er sie doch alle liebt, konnte er noch nicht auf das bayerische Polizeiaufgabengesetz hoffen. Noch steckte das Internet in den Kinderschuhen und Kontakte mussten unter großem Aufwand persönlich gepflegt werden.

Konkrete Gefahr muss nicht mehr vorhanden sein; es reicht jetzt völlig aus, wenn sie nur droht, eine Onlineüberwachung anzuordnen. Mit der Übernahme von Adminrechten können Emailkontakte durchsucht, gespeichert, ausgelöscht oder geändert werden, was das Zeugs hält. Wen hat es nicht schon mal in den Fingern gejuckt, Kommentare auf dem eigenen Blog nach Herzenslust zu ändern? Bis zur Geschichtsklitterung auf Internetportalen ist es dann nicht mehr weit, selbst wenn Druckartikel erst bei Neuauflagen miteinbezogen werden können.

Nicht umsonst sind in den neuen Microsoftregeln unrechtmäßige Handlungen, was immer das auch heißt, untersagt. Gegen Bezahlung wird allerdings nicht nur privaten Nutzern von den Eignern der Massenkommunikationsmittel Einblick in Datensammlungen erlaubt. Mit der vollautomatischen Auswertung ist die Einhaltung menschengemachter oder gottgewollter Gesetze hinreichend gewährleistet. Schon heute wird in einfachen Rechtsfällen der umfangreiche Schriftverkehr intelligenten Maschinen überlassen.

Ob jemand glaubt, Gott sähe bis auf den tiefsten Grund der Seele oder alles geschieht nach dem Willen von Allah, immer fühlten sich andere von solchen Gewissheiten  ausgeschlossen. Mit der KI glaubt nun auch der Atheist eine mächtige Instanz an seiner Seite zu haben. Sie denkt für den Menschen, lenkt, füttert und trägt ihn mit mütterlicher Fürsorge. Mit sanften Druck wird er zu Höchstleistungen trainiert.

Für den gewöhnlichen Querulanten brechen schwere Zeiten an, falls er sich nicht anders organisiert, um seine Selbstständigkeit behalten zu können. Weit verbreitet ist das Gefühl, man könne eh nichts machen und werde es schon nicht mehr erleben. So schlimm wird es schon nicht werden.

Auf Problemlösungen durch die derzeitigen verfilzten Parteien kann man lange warteten. Im Gegenteil stieße z.B. der Vorschlag Mieterhöhungen an Einkommenserhöhungen zu binden und so der Spekulation von Investoren auf immer höhere Gewinne ein Ende zu bereiten bestimmt auf heftigen Widerstand von Bedenkenträgern. Die Altersversorgung durch Mieteinnahmen fällt dadurch nicht weg und die wirtschaftliche Entwicklung insbesondere von kleineren Unternehmen wird gefördert, da das verfügbare Geld nicht mehr in den Hosentaschen von Teilhabern irgendwelcher Immobilienfonds verschwindet.

Man hat die Wahl Weichen für die Zukunft zu stellen oder dabei zuzuschauen. Jammern hilft jedenfalls nicht weiter. Für die Bildung einer Exilregierung wird übrigens noch Verstärkung gebraucht. Außerdem sind in der Entwicklungsabteilung für Ideen noch ein paar Posten frei. Der zuständige Wahlsprücheklopfer für eine Interessenvertretung mittels Zusammenschlusses hat mit seinem Vorschlag: „Auf zu den Waffeln Brüder und Schwestern.“ heftigstes Kopfschütteln verursacht. Infolgedessen befindet sich die Belegschaft bis zum Abklingen der Beschwerden auf einem Erholungsurlaub im Traumland.

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

7 Comments

  1. Nun, in den Automobilen tut sich die KI noch schwer. Doch Politiker könnte sie heute schon problemlos ersetzten …

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    1. Beim Schulz hat’s allerdings nicht geklappt und man musste ihn wieder vom Markt nehmen.

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  2. Hach ja, das bayerische Polizeiaufgabengesetz … Da wünscht man sich ja fast schon in die Zeiten des seligen Mielke zurück – mit Ausnahme des geteilten Staates. Oder wie Malmsheimer sagen würde: „Früher war nicht alles besser! Aber es gab Dinge, die waren früher gut – und wären es auch heute noch, wenn man die Finger davon gelassen hätte!“ Auch wenn er als Beispiel dann das Wurstbrot anführt … 😉

    Ja, ich bin gottfroh, nicht in Bayern zu leben. Nichts gegen Bayern, aber: Seehofer, Söder, Scheuer, etc. – ich hätte dauernd Sodbrennen … Mit Stephan Weil dagegen lässt sich irgendwie leben. 🙂

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    1. Den Malmsheimer als Gesundheitsminister könnte ich mir gut vorstellen. Überhaupt scheinen Satiriker über mehr Realitätssinn zu verfügen.

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      1. Ich könnte mir so ziemlich jeden – mich eingeschlossen, obwohl ich von der Materie keine Ahnung habe – anstelle von Jens „Hartz-IV-ist-keine-Armut“ Spahn vorstellen. ,-)

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  3. Bin ich heut wieder zu bekifft oder wolkt der Text arg in lauesten Frühlingslüftchen, wie ein irregegangener Überwachungsbeamter, der während der Dienstzeit stöbernd von privaten Kontaktanzeigen zu günstigen Spekulationsbeteiligungen geriet und nun von einer Eigentumswohnung mit runderneuerten Silikonpolstern träumt?

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    1. Geeignetes Personal für die Textziselierung zu finden wird immer schwieriger. Der zuständige Sachbearbeiter wird sofort in eine Ausnüchterungszelle gesteckt, sobald wir seiner habhaft werden können. Moment, da isser wieder. Als Schneehase bei diesem Wetter herumzuhüpfen, ist dann doch zu auffällig.

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