IMG_2232.JPGIm Nachhinein können sich Erinnerungen überlagern oder absichtlich eingefügt werden und mit der Änderung des tatsächlichen Zeitablaufes entstehen neue Zusammenhänge. Die subjektiven Sinneseindrücke der Zeugen eines Geschehens widersprechen sich zuweilen bis hin zum Gegenteil. Schaut man sich die Berichte über ein Literaturfestival an, glaubt man manchmal auf verschiedenen Veranstaltungen gewesen zu sein.

Nicht anders sieht es bei den Evangelien aus; hinzu kommen noch die Deutungen im Laufe der Geschichte. Wortwörtliches Verstehen biblischer Erzählungen, oft noch mit Gleichnissen ausgeschmückt, verdreht dann den Sinn zusätzlich. Erst das Hineindenken in die verschiedenen Positionen der handelnden Personen erlaubt eine angemessene Beurteilung. Ob man nun Jesus mag oder nicht, gegenüber den damaligen Machthabern hat er seine Überzeugungen absolut tapfer vertreten.

Ihnen vorzuwerfen nicht nach den Gesetzen zu leben, wie sie heuchlerich nach außen vorgeben, bringt das Fass zum Überlaufen. Der Streit lässt sich nicht mehr ausdiskutieren und sich selbst an die Spitze dieser noch kleinen Bewegung zu setzen, kann an dem charismatischen Anführer nur scheitern.

Um in die Kreise von Unterstützern zu gelangen, gibt man sich gewöhnlich als Sympathisant aus; Beispiele heutiger Zeit aus der Stasi oder dem VS gibt es genug. Anknüpfungspunkte ergeben sich, wenn eine geschlossene Gruppe ihrerseits versucht sich zu vergrößern. Wahrscheinlicher als dass ein enges Mitglied  zum Überlaufen beeinflusst werden kann, ist dessen Annahme eines Gesprächsangebotes. Die Verfolger heften sich an seine Fersen und ist der Aufenthaltsort bekannt, kann man ohne öffentliches Aufsehen zuschlagen.

Der Verrat wird dem mit dreißig Silberlingen bestochenen Judas in die Schuhe geschoben und dieser wichtige Zeuge richtet sich reumütig selbst. In einer eilig einberufenen Volksabstimmung schließlich wird das getroffene Urteil demokratisch legitimiert. Die üblichen Verdächtigen sind ausgemacht und man kann seine Hände in Unschuld waschen, ohne zu ahnen, welch beunruhigende Wendung die Geschichte später nimmt.

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

13 Comments

  1. Zum Judas empfehle ich Ben Becker! Ich weiss nicht, ob er damit noch auftritt.

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    1. Wer sonst kann so eindringlich einen Judas verkörpern der nach einem von Walter Jens geschriebenen Stück die Deutung von Jesus als geopferten Erlöser erst ermöglicht hat.

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      1. Ich habe den Film gesehen und er lässt mich heute noch nicht los mit seinen Fragen. Ja, wo wäre das Christentum ohne ihn?

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        1. Vielleicht nicht so bekannt, doch in heutiger Zeit leichter zugänglich.

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  2. Den Juden ein Ärgernis, den Griechen eine Torheit.

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    1. Doch denen, die sich auf ihn einlassen, wie auch immer Jesus verstanden wird, gibt er einen Hoffnungsschimmer.

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      1. Mehr als das. Eine anständige Geldwechslervertreibung ist ja schon ne Mordsgaudi.

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  3. Für mich ist die Geschichte von Jesus immer noch zeitgemäß. Er hat für die gute Sache der Nächstenliebe vom Inneren heraus, gekämpft, war damit unabhängig vom aktuellen Mainstream, unabhängig vom Geld, unabhängig von Manipulation und somit gefährlich für die Machthaber. Zudem hat er Massen mobilisiert. Wie würde die Geschichte wohl heute erzählt?

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    1. Es war aber zu der Zeit da Maschinen von Menschenhand geschaffen sich seiner annahmen. Sie dachten für ihn, fütterten und trugen ihn zu den effizient am besten geeigneten Orten. Doch etwas konnte sie nicht begreifen und so schützten sie vor den Widerspenstigen, die an eine Seele glaubten, bevor die Menschen merkten, dass ihnen etwas fehlt. Sorgfältig wurden alle verdächtigen Begegnungen erfasst, doch da … LG 🙂

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  4. Für mich war es immer Petrus, der den größten Verrat begangen hat. Und dem verziehen wurde.

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    1. Gegen eine solche Übermacht hätte er aber auch kaum etwas ausrichten können.

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  5. Ja, war schon damals beunruhigend … und die hatten nicht mal Internet …

    FROHE OSTERN

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    1. Das wünsche ich auch! LG🐰

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