IMG_2223In wenigen Tagen geht das Kunstprojekt „Wandelism“ zu Ende, an dem 88 Straßenkünstler sich und ihre Werke darstellen können. Zugleich thematisieren sie die Vereinnahmung der ursprünglich sozialkritischen Bewegung durch marktorientierte  Unternehmen. 30% der Einnahmen durch Spenden und Führungen fließen nach Deckung der Ausgaben in eine gemeinnützige Einrichtung.

Für Menschen ohne philosophische, religiöse oder politische Gewissheiten wird angesichts seines Ersatzes durch Maschinen die spielerische Gestaltung von Freiräumen geradezu notwendiger Ausdruck vielfältiger Kreativität und ergänzt sinnvoll sportliche Aktivitäten im Alltag.

Auf die von einer Immobilienfirma zur Verfügung gestellten ehemaligen Autowerkstätte warten schon die Abrissbagger ungeduldig auf ihren Einsatz. Doch noch einmal schmückt sie sich in einem heidnisch anmutenden Opferritus, bis sie mitsamt ihrer Kunstwerke im Nirgendwo entschwindet.

Einen ganz anderen Weg zur Aufdeckung gesellschaftlicher Widersprüche beschreiten die temporären Installationen am Jakob-Kaiser-Haus nahe des Reichstages. Eindringlich warnen die mit Natodraht geschützten endlosen Bretterwände vor der Segregation in einer offenen Gesellschaft. Selbstdarstellung der politischen Handlungsträger und ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit klaffen oft weit auseinander.

In diesem Spannungsfeld, beispielsweise in der IT-Branche, zwischen Eignern, Nutzern und ihren gewählten Vertretern nimmt das Finanministerium eine steuernde Rolle ein. Mit der ins Auge gefassten Einbindung von Wirtschaftsberatern eröffnen sich vielversprechende Möglichkeiten des Ausgleiches von Interessen. Den Rest reguliert der Markt mit Handel und Wandel.

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

8 Comments

  1. Abriss – eigentlich sehr schade.

    Bin mir sicher, diese Ausstellung könnte auch in der nächsten Zeit viele Gäste anlocken.
    Wäre da nicht der schnöde Mammon!

    LG Gruß zu dir in die Hauptstadt,
    Lilo

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    1. Verrückte Zeiten. LG aus dem Großstadtdschungel 🌃

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      1. Ja, die Berliner Woche (Lokalteil Wilmersdorf, was an Erich Kästner denken lässt, der Justav-mit-der-Hupe irgendwo murmeln ließ, „du kommst wohl nich aus Wilmersdorf?“) sieht das wohl so:
        „… Eine dicke Stellungnahme gegen das Establishment … verbarrikadierten einen Raum mit Fenster, versahen ihn mit Dauerbeleuchtung und ließen ihn gänzlich unberührt. „Wir kommen da nicht rein“, sagt Tonn und grinst. „Was die Künstler aussagen möchten, bleibt ihr Geheimnis. Möglicherweise wollten sie sagen: Seht her! Raum für Street-Art gäbe es genug in Berlin, man hat bloß keinen Zugang dazu. Ist aber reine Interpretationssache.“</em

        Ist nicht alles Interpretationssache?, ja vielleicht nicht 🙂 , weswegen man es wahrscheinlich immer mal wieder feststellen muss, dass das so sei
        Auch, was das Establishment sei. Das ist immer die Anderen. In Tonns Speisekammer kommt man höchstwahrscheinlich auch nicht einfach rein.

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        1. Für ’nen Zehner kann man an einer Führung durch die Austellung teilnehmen. Da kommt einiges zusammen bei mehreren tausend Besuchern pro Tag und dann noch das Begleitprogramm. Geschäftstüchtigkeit lässt sich dem ganzen Unternehmen jedenfalls nicht absprechen.

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  2. fotostrasse.com/wandelism/ schreibt:
    „Be aware that this exhibition is for a good Berlin cause. The organizers are dedicating this project to a great cause, and 30% of the proceedings are going to AWO Kita Kinderwald, and the rest will be split and distributed evenly among the artists, helpers, and crew.“

    Be aware. Also nicht be-at-war, sondern die Awareness wird beschworen, denn es ist nicht ‚einfach Kunst‘ (Kunst einfach?, also Kunst ist nie einfach, wenn man Künstler fragt), sondern es geht um the-great-cause und um das Wahre und Gute. Laut Robert Musil gehörte auch das Schöne dazu, aber obwohl manches in dieser Ausstellung ja doch ganz schön ist, wird nicht darauf hingewiesen, dass es das sei. Tja, warum – weil Schönes nicht la-politisch-great-cause sein kann. Denn wegen vielleicht Schönem entsteht keine Awareness, und dann kommt man wieder nicht in ein verbarrikadiertes Zimmer hinein.

    Ah so, und die AWO-Kindertagesstätte Kinderwald bekommt 30%, und laut deren Webseite ist die ganz besonders für „verschiedene Kulturen“ und für den grassierenden Pädagogismus. Also dedicated und great-cause, und alle sind dessen aware. Wehe wenn nicht.
    Hm.

    Also mit der Großkunst verhält es sich erstaunlich genauso wie mit der Kleinschriftstellerei, nicht?, denn wenn man das Kleingeschriftstellerte nicht einfach (haha, einfach!) liest, sondern den Kleinschriftsteller dazu befragt, welcher Causa er sich denn verschrieben habe, wird es gleich sehr umfassend kompliziert und sehr groß, und komischerweise hat’s dann immer weniger mit dem Geschriebenen oder Ausgestellten zu tun.
    So wie wenn Schauspieler über die Größe ihrer Rollen reden. Dei sind dann immer allumfassend, aber die Rolle wird dann Schmolle mit ’nem Fenster drin.

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  3. Ob sich wirklich das Lüften des Geheimnisses vom verschlossenen Raum lohnt, weiß man nicht. Die Idee der Dauerbeleuchtung ist jedenfalls auch aus Foltergefängnissen bekannt.

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  4. Ein altes Haus wird abgerissen und zwei, drei neue an dessen Stelle gepflanzt. Der Vorteil: die Leute kleben dann so nah aneinander, dass man den Nachbarn durchs Küchenfenster um einen Salzstreuer bitten kann …

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    1. Nachteilig bei zu enger Käfighaltung ist das Auftreten von Kannibalismus, wie er bei Hühnerpopulationen hin und wieder auftreten soll.

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