Eines Tages, so trüb und verhangen wie schon lange nicht mehr, machte sich ganz in der Frühe ein unscheinbares Männlein dürr wie ein Strich auf den Weg zur allgemein  hochangesehen Sprachkommission. Bisher, meist unbeachtet, dümpelte es so vor sich hin; regelrecht empört war es jedoch, wenn es als Minus für jede Gesellschaft bezeichnet wurde, weil sein Bemühen um Einbindung zur Trennung bisher einmütiger Paare führe.

Das sei ja gut und schön, dass er zum besseren Verständnis langer Wörter auch verwirrten Sprachmaschinen einen Sinnzusammenhang vermitteln wolle, der bisher mehr oder weniger belesenen Menschen vorbehalten war, letzteren zudem die Möglichkeit gab innezuhalten und alles wieder neu zu sehen, doch völlig ungeklärt sei  bisher, wie man es denn aussprechen solle. „Äh“, meinte das Bindestrichlein nur, was sogleich notiert wurde.

Landauf, landab erwies man ihm daraufhin die Ehre und Massenmedien trugen unaufhörlich zu seiner Verbreitung bei. Das dem jeweiligen Zeitgeist hinterherhechelnde in Jahrhunderten zur Hörigkeit erzogene deutsche Sprachwesen nahm das Stöckchen wie immer dankbar auf. Es, also das Bindestrichmännlein, stellte sich fortan überall mit stolzgeschwellter Brust zur Schau.

Auf dem Heimweg grüßten freundlich die beliebten Audio- und Videopodcaste, sozusagen sprechende Bilderbücher und sogleich bot sich eine günstige Gelegenheit seine Dienste anzubieten. Doch gerade als es sich gemütlich dazwischenklemmen wollte, traf aus dem Hinterhalt der verirrte Pfeil eines Sportbogenschützen, der eigentlich hässlichen Wortungeheuern den Garaus machen sollte.

So kam es dazu, dass einer der vielen Bindestricharten ein Pluszeichen wurde und fürderhin in der einfachen Sprache sein Dasein fristen muss. Als Sendepott fand auch  Podcast sein Auskommen und kann sogar bis zum Album aufsteigen. Nicht länger musste es sich Verunglimpfungen wie Pottkarst anhören oder blöde Fragen beantworten, welcher Kaste es denn angehöre.

 

 

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

7 Comments

  1. christahartwig 24. Januar 2018 um 18:34

    Doch Undank ist der Welten Lohn, und es wuchs die Zahl derjenigen, die – statt dem Bindestrich für seine Verbindlichkeit

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  2. christahartwig 24. Januar 2018 um 18:37

    Moment, ich war noch nicht fertig…
    … für seine Verbindlichkeit und seinen zuverlässigen Ordnungssinn nicht den gebührenden Respekt zollten. Sie verzichteten einfach auf seine Dienste. Und vielleicht wäre der Bindestrich bald ganz aus dem Reich der Schrift vertrieben worden, wäre er nicht dem Gedankenstrich begegnet.

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    1. Das hat was für sich. Die durch ihn verbundenen Worte behalten eine gewisse Eigenständigkeit und lässt in einem Bandwurmwort selbigen auch mal für sich sprechen.

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  3. Wenn „Äh“ als Bindestrich geschrieben werden soll, würde das Protokoll einer Rede von Edmund Stoiber so aussehen:

    Meine – Damen und – – Herren. Sie – steigen – – – in den – Münchner – Hauptbahnhof – ein und – fliegen – – praktisch – und so weiter …

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    1. Bestimmt wird es später mal eine eine Edmund – Stoiber -Straße geben.

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      1. Oder eine – dmund – Sto – ber – Straße …

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