IMG_2058.JPGAm südlichen Hang des hohen Weinberges nahe der Mündung der wilden Panke in die gemächliche Spree treffen sich je nach Lust und Laune Nixen auf einer kleinen sandigen Landzunge und erfreuen sich daselbst am heiteren Spiel grüngolden schimmernder Fischlein zwischen den über den welligen Grund wandernden Strahlenkränzen.

Sie lieben die leisen Töne und schnell sind sie durch unbedachte Worte verscheucht. Manchmal necken sie übermütig den im Alter etwas zur Boshaftigkeit neigenden dicken Flussgeist. Vor lauter Aufregung muss dieser dann später oft niesen und sein ha, ha, hatschi regte einst an, am gegenüberliegenden Ufer eine große Halle zu errichten. Kaum  hatte man bis auf die Schweizer Botschaft alle alte Villen abgerissen, mussten jedoch die Arbeiten wegen der Kämpfe im Zuge der Ostkolonisation ruhen.

Schon seit alters her ist die Region umstritten bis sie dem Wendenfürst Jasco entrissen werden konnte. Zum Dank der Errettung vor Nachstellungen warf er sodann seinen alten heidnischen Glauben ab. Weiter flussabwärts ragt ein den sumpfigen blütenreichen Wiesen abgewrungenes festungsartiges Gebäude auf. Erfahrene Schiffer verschließen nachdem sie die alte reich mit Figuren verzierte Brücke aus rotem Sandstein unterfahren haben ihre Augen und Ohren; denn sobald man der derzeitigen Herrscherin ansichtig wird, ergreift bleiernde Müdigkeit von den Gliedern Besitz. Des Willens beraubt und bei völliger Orientierungslosigkeit sind dort schon viele gestrandet.

Der Normalsterbliche erblickt anstelle des abgetragenen Weinberges das steinern eingefasste quadratische Becken des Humboldthafens mit den sich in ihm selbstgefällig spiegelnden klotzigen Bürohäusern. An den Sandkrug, einem beliebten Ausflugziel vor den damaligen Stadttoren, erinnert heute nur noch der Name einer Brücke über den Hohenzollernkanal.

Noch pfeifft der Wind über die Brache vorm Bahnhof, doch bald schon erwächst hier der gläserne Kubus des European Cities Fonds der TH Real Estate. Dem neuen Mekka für Aufsteiger mit seinen nach den vier Himmelsrichtungen weisenden Ecken bei einer Kantenlänge von 42 Metern wurden 42 frischgepflanzte Bäume geopfert. Mittlerweile hat die Entzifferung der kryptischen Botschaften auf den ihn umgebenden Bretterzaun große Fortschritte gemacht.

Open space, open mind lautet die Überschrift obiger Abbildung und nimmt Bezug auf das Sinnbild des über den Wassern schwebenden Geistes. Sinngemäß übersetzt, geht es dann weiter: Würfel Berlin bietet einer neuerlichen Nachkommenschaft von Sehern und Trommlern den Lebensraum, der neues Wertschöpfen möglich macht.

Kernstück des intelligenten Hauses, das sich den Bedürfnissen der durchweg gepflegt gekleideten Nutzern anpasst und umgekehrt, ist ein weitläufiges Treppenhaus für selbstbefruchtende Kommunikation im klinischreinen neuen Work-Live. Stetiger Wind treibt den feinen Sand von Wanderdünen aus der Uckermark vor sich her. Doch selbst die schnellste ihrer Art braucht nach jüngsten Berechnungen noch Jahrzehnte.

 

 

 

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

18 Comments

  1. Ich teile die unterschwellige ironische Kritik des Beitrages. Aber vielleicht ist es auch nur meine abgeneigte Betrachtung, die hier fehlerhaft gefiltert hat, denn ich mag weder Real Estate noch solche bedeutungsvolle Bauten.

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    1. Hmnein, der Beitrag ist tjaaa eigentlich ja nicht unterschwellig usf., also ich lese da nichts Unterschwelliges, sondern er ist ja völlig angepestet, und zwar sowas von 😀
      Also Schling ist völlig angepestet, das lese ich da, weswegen er einen völlig angepesteten Beitrag über den bis zum Platzen aufgeblasenen Ungeist geschrieben hat, der sich in diesem teuren Gebäude inkarniert, dessen einziger Zweck die wohl allerhochnäsigste Version des allerbanalsten Teuerschwurbeldoofseins zu sein scheint.

      P.S.
      Man wüsste zudem gern, was zum Geier dieses „neue Arbeiten“ sein soll, und inwiefern dieses „möglich gemacht“ werde. Also warum es sonst nicht möglich sein woll, wüsste man gern. Hm. Also etwa mir ist neues Arbeiten völlig unmöglich, denn wenn überhaupt, arbeite ich alt. Ist das schlimm?

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      1. Das neue Banking klingt jedenfalls recht vielsprechend und scheint wohl für manche ganz lohnend zu sein.

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        1. … also nicht mehr mit Maske & Krache einfach hineinschreiten und Geld holen?
          Hm, schade. Es war doch ganz nett auf die gute alte Weise.

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        2. P.S. Ach je, was ist Banking?
          Lieber Schling!, schon da hat meinereiner solche Schwierigkeiten. Also in der Bank, was machrt man da?, ja da holt man Kontoauszüge und achtet drauf, dass keiner zuviel abbucht (ach, z.B. die Gasfirma, bei der ich Gas kriege, wollte neulich glatt 1172,34 abbuchen, dochdoch!, sie hat es ernstlich versucht, aber soviel Gas verbrauch ich ja im Leben nicht).
          Also das ist hm Bankisieren, nein?, dass man auf sowas achtet und sich nicht vergasen lässt.
          Aber was ist Banking?

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          1. Soweit bekannt, braucht die Bank dann keinen Finger mehr krummmachen und hat trotzdem, da es kein Bargeld mehr gibt, alles im Griff.🤓 LG

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            1. Ah! Klingt guuut 😀
              So wird er sein, der Fortschritt: Alles ist da, und keiner muss dafür etwas tun. Bloß blendende Glanzbegriffe müssen dafür erfunden werden, damit keiner was zu meckern hat.

              Tja, früher war die Zukunft netter.

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      2. Sinnentleerte Berufsschöpfungen allenthalben.

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        1. Ja, grauenhaft. Alles „was mit Medien“.

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          1. Und die Gebäude unter der Prämisse „Mal was anderes“, was ja als Antrieb an Geringfügigkeit kaum noch zu unterbieten ist.

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  2. Das erinnert an Gläserne Milchhöfe oder Gläserne Schlachtereien, Gläserne Bäckereien – trotzdem wird da überall gepanscht, gemordet und jede Menge Auftriebsmittel eingearbeitet.

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    1. Aber durchsichtige Brötchen wären schon was.

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  3. Lokalgeschichte ist was feines

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    1. … zumal dorten Geschichte gemacht wird!, bevor sie die Chance hatte, um zu passieren.
      Ob sowas wohl gut geht?

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  4. Wenn hier dieselben Baufirmen wie am Flughafen tätig sind, wird sich das „neue Arbeiten“ noch ein klein wenig verzögern … 🙂

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    1. Zudem lohnt sich bei der rasanten technischen Entwicklung eine Realisation der Pläne kaum noch.

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