IMG_1855[234]Wahrscheinlich, wahrscheinlich, ich aber sage Euch…  so las einmal im Religionsunterricht ein Schüler nach der Mathestunde versehentlich vor…

Dr. Blech beabsichtigte seiner Gemeinde mal wieder die Leviten zu lesen; zu oft werden Begriffe überdreht und Gefühlsduselei gibt dann den Rest. Mit der penetranten Verkündigung einer frohen Botschaft an der sie selbst zweifeln, haben die Pfaffen jedenfalls die Kirchen eh schon leergefegt.

Übrigens, falls es bei einer geilen Grillparty mal langweilig werden sollte, lässt sich diese sofort durch ein am besten mit geeigneter Musik untermalten Bekenntnis, dass Jesus bestimmt ein sehr netter Mensch gewesen ist, beleben. Auf alle Fälle gibt es dann heiße Diskussionen, die bis zur Androhung des Fegefeuers reichen.

Als Alternative bietet sich auch die Flüchtlingspolitik als Thema an. Spätestens, wenn die im 1. Halbjahr 2015 ausbleibenden Zahlungen an die von der UNO gestützten Flüchtlingslager im Libanon und Jordanien als unterlassene Hilfeleistung bezeichnet werden, sollte sich die Stimmung immens aufheizen.

Glücklicherweise konnte dann später durch das Ausstrecken der hilfreichen Hand in christlicher Nächstenliebe dieser Fehler einigermaßen ausgebügelt werden. Dass Druck vom Kessel wich und so einer Destabilisierung der Region vorgebeugt wurde, erkannte  auch die Königin von Jordanien bei einem Besuch in Berlin dankbar an. Mit der Einsicht, dass diese Versäumnisse nicht mehr vorkommen sollten, wurde auch den lange zuvor erfolgten Warnungen von Gerd Müller und Steinmeier Respekt erwiesen.

Nur zu gern werden Worte aus eigener Sicht verstanden; macht sich das ganze auch noch bezahlt, glauben viele bald selbst daran. Die widersinnigsten Sprüche gewinnen durch ständige Wiederholung an Überzeugungskraft bis sie nicht mehr nachgefragt werden.

Noch immer unschlüssig nahm Dr. Blech eine der dunkelgrünen Bänke des nahegelegenen etwas verwilderten Parkes in Besitz. Abgebrochene Äste und sogar ganze Bäume des letzten Sturmes versperrten noch immer manche Wege. Liebe deinen Nächsten, warum nicht gleich alle wie es Mielke, der letzte Stasichef, mal formulierte. Hatte Jesus die hohen Priester oder Pilatus denn gleich lieb wie seine Jünger? Die am nächsten räumlich stehenden Menschen konnten wohl auch kaum damit gemeint sein. Na ja, wenigstens war klar wie man Feinde lieben sollte und zwar indem man sie, wie auch immer, davon abbringt feindlich zu sein. Nachdenklich stellte er einen auf den Rücken gefallenen Käfer wieder auf die Beine. Vielleicht waren andere Themen doch etwas leichter.

Im bunten Herbstlaub raschelnde Schritte nahmen ihm die Entscheidung ab. „Haben Sie mal Feuer?“, meinte der eine beiläufig als er sich neben ihn setzte. “ Ja, Moment.“ Blech stand auf, wühlte in den Taschen, zauberte endlich begraben von einem Portemonnaie aus den tiefsten Ecken ein Feuerzeug hervor. „Erstaunllich was sich so alles anfindet.“ , bemerkte er als er seine Jacke ablegt und sich in irgendeinen Zettel vertieft.

Die beiden drahtigen Jungs hatten es plötzlich eilig und nickten ihm freundlich zu. Er zählte langsam bis zehn. Das leise Plop der stinkigen Farbpatronre ging fast unter in dem überraschten Geschrei. Ein bißchen schämte er sich für sein Lächeln, was sich auf sein Gesicht stahl, aber schon als Kind gab es zusammen mit den anderen soviel Spaß  mit den durch einen unsichtbaren Faden verknoteten Dingern auf der Straße. Wahrscheinlich gibt es dafür später Punkteabzug.

 

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

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