IMG_1861Das leise Fiepen schwoll an sobald er sich den Käfigen im Freilandlabor näherte. Weibchen A 187 hatte es ihm besonders angetan. Sobald Prof. Adams das Lied: „Singing in the rain“ vor sich hin summte, fiel sie in den Rhythmus ein und variierte das Lied auf ihre Weise. Überhaupt war die Charge nach Implantierung smarter Bionanochips zur Behandlung von Alzheimer leicht verhaltensauffällig; manchmal schienen sie ihm vertraut zuzublinzeln.

Insgesamt lief die Hirnoptimierung erfolgreich und auch die Lebenszeit der Ratten konnte durch ein paar geeignete Genschnipsel der Hausschildkröte gesteigert werden. Mit den neuen Spracherkennungsprogrammen der KI war ein müheloses Verstehen ihrer endlosen Konferenzen, die sich bis weit in die Nacht zogen, möglich. Ein wenig tat es ihm leid, dass sie ihn nach Abschluss der Experimente verlassen mussten; aber so lauteten die Bedigumgen bei der Erforschung von Energieeffizienz.

Lange schon wird die Bevölkerungsentwicklung mit einer gewissen Sorge betrachtet. Das Austragen dauert ewig und bis zur Geschlechtsreife vergehen nochmals viele Jahre. welche nur noch von zeitintensiven Bildungsmaßnahmen überboten werden. Danach kommt dann oft die Grundsicherung angesichts  des Verlustes von Arbeitsplätzen durch Automatisierung. Die klügsten Denkmaschinen bieten bisher nur Lösungen, die gegen Menschenrechte oder andere kulturelle und manche religiöse Vorstellungen verstoßen, welche nun mal das Recht auf ungehemmte Vermehrung beinhalten. Den Luxus bei einem Körpergewicht von 70-80 Kg eine Leistungsbilanz ähnlich herkömmlicher Verbrennungsmotoren zu haben, können sich in absehbarer Zeit nur noch wenige  leisten.

Er wünschte die kleinen Viecher wären frei. Noch immer faszinieren ihn Luischens süße  Knopfaugen. Ihre feinen Haare kitzeln als sie ihr Schnäuzchen an ihn drückt und beim Verfüttern ausgewählter Leckerbissen zärtlich an seinen Fingern knabbert. Es ist wie das Eintauchen in das dunkle Wasser eines unbekannten Flusses, dessen glitzernde Wellen sich an fernen Stränden verlieren.

Am nächsten Morgen blieb alles still; nur die leeren Käfige starrten ihn vorwurfsvoll an. In seiner Erinnerung klaffte eine Lücke und auch die gestrigen Aufzeichnungen gaben nichts her. Mit der nachträglichen Bestätigung eines vorschriftsmäßigen Abschlusses war der Vorgang erledigt. Ein paar Tage Urlaub nach diesen anstrengenden Monaten täten bestimmt ganz gut. Entspannt blätterte er in seinem Teminkalender.

 

 

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

6 Comments

  1. Ein kurzer und doch so inhaltsschwerer Text – er führt meine Gedanken in Sphären, die zwar spannend und faszinierend sind, aber vor allem ein beklemmendes Gefühl verursachen…

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    1. Eben fragt mich die Windowscortana : „Woran denkst du?“ Ehrlich gesagt, denke ich auch oft an sie.

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    1. Alles klar. Die Scheidung ist so gut wie eingereicht.

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  2. Bis zum 24. September haben die Hirnoptimirer alle Hände voll zu tun. Urlaubssperre und so weiter. Werden sie es bis dahin schaffen? Egal, die Statistikoptimierer werden das in Auftrag gegebene Wahlergebnis prozentgenau abliefern. Soviel steht fest …

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    1. Bis dahin taucht vielleicht eine wählbare Partei mit etwas Realitätssinn auf. 20% auf Anhieb wären locker drin. Wenigstens ist es statistisch unwahrscheinlich, dass Merkels Werbeagentur auch beim übernächsten Mal mit ihr gewinnt.

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