IMG_1808.JPGDie Wahlhelfererstaustattung steht kostenlos zur Verfügung

Neben dem Robin Hood unserer Tage bewirbt sich der Prototyp eines erfolgsschwangeren Managers um die Gunst mütterlicher Macht. Schon lässt sich das Heraufdämmern einer neuen Spezies erahnen. Smart aufgepeppte Kreaturen entsteigen den in wabernde Nebel getauchten Laboratorien und machen erste Erfahrungen in der menschlichen Gesellschaft.

Für eines dieser Exemplare mit durchaus gesitteten Umgangsformen lag eine Taxibestellung vor. Lange vor dem Termin ergatterte Jürgen einen der begehrten Parkplätze in der engen Straße. Die Zeit verstreicht; nichts tut sich. Passanten mit bunten Einkaufstüten schlendern an den Modegeschäften vorbei. Kopflose Schaufensterpuppen mit kleinen Brüstchen versprechen unaufdringliche Individualität.

Auf dem Display leuchtete eine Botschaft auf: „Unbedingt warten! Der Kunde kommt in ein paar Minuten. Geschäftsreise.“ Eine Viertelstunde später geschieht es. Gewinnend lächelnd steigt dieser ein, streicht sich über den zurückgegeelten blonden Haarschopf und entschuldigt sich beiläufig für die kleine Verspätung. „Die Uhr ist noch nicht an“, drückte Jürgen auf die Tränendrüse. „Neulich vorm Adlon kam dann gar keiner, obwohl extra mit Hund bestellt wurde.“ „Das ist aber lieb.“ „Es hieß dann vom Portier durch das halbgeöffnete Seitenfenster, der Hund wäre schon weg.“

Nach wenigen Minuten war die gewünschte Strasse erreicht. Jetzt musste nur noch die Nummer 80 gefunden werden. „Waren Sie schon mal dort?“, fragte er in eine Pause des unablässig telefonierenden Fahrgastes. „Nein, da verlasse ich mich ganz auf Sie“, meinte dieser, während er irgendwelche Papier durchblätterte. Zack und schon kam die 81. „Oh. wir sind zu weit gefahren!“ Auf der vielspurigen dichtbefahrenen Straße war es fast unmöglich anzuhalten oder gar rückwärts zu fahren. „Geht auch Kreditkartenzahlung?“

„Ja, doch dafür fahre ich besser noch um die Ecke. So, das sind jetzt 10,30.“  „Machen Sie 12.“  „OK. Da kommen allerdings noch 1,50 drauf in Berlin.“  „Ach so, ja. Dann doch lieber bar.“ Jürgen löschte die Daten wieder, während sein Gast dem Geschäftspartner das baldige Kommen ankündigte. Der Schreibkram wäre fast erledigt und müsse nur noch ausgedruckt werden, falls es ihn nicht stören würde, kam es von hinten.

Inzwischen war er sich sicher, dass war eindeutig eine Neuauflage von: „Vorsicht Kamera“. Nur nichts anmerken lassen. Den Gefallen, die Rolle des bis zur Weißglut gereizten Fahrers anzunehmen, der den nichtsahnenden Kunden mit blutunterlaufenen Augen vom Sitzpolster auf den rauen Asphalt reißt, wollte er ihm nicht auch noch tun.. Lieber rief er sich zur Sicherheit Szenen in Erinnerung, wo er eigentlich unverdient ein dickes Trinkgeld zugesteckt bekommen hatte.

„Vielen Dank und einen schönen Abend.“  „Ja gerne. Alles gut. Tschüssi.“ Beim Zurückfahren bemerkte Jürgen, dass er sich glatt um einen Häuserblock vertan hatte. Das beweist ganz klar, dass Zeitmanagement bei den vielen unbekannten analogen  Faktoren kaum lohnenswert ist.

 

 

 

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

7 Comments

  1. Ich fahr ganz viel mit dem Taxi und meistens die gleichen Strecken. Und ich hab eine Routine entwickelt, die so geht: Die Strecke kostet in der Regel maximal so um die 18€. Ich zahl immer 20€. Prinzipiell. Wenn der Taxifahrer schneller unterwegs war, dann bedeutet das mehr Trinkgeld (und manche sind ganz überrascht, weil sie ja nicht wissen, dass das nicht an ihnen persönlich liegt, dass ich mehr geb, sondern, dass sie eben mich schneller ans Ziel gebracht haben und deshalb mehr für sich selbst behalten können). Und wenn er länger braucht, dann bleibt eben nicht so viel Trinkgeld übrig. Aber ich muss sagen, dass ich dadurch wrfahren hab, dass 99% der Taxifahrer wirklich ganz korrekt fahren. Das ist ein gutes Gefühl. Diese Routine hab ich angefangen wegen einem bestimmten Taxifahrer, der immer teurer war als alle anderen. Und darauf angesprochen dann die verfolgte Unschuld gemimt hat. Und ich war es einfach leid mir jedesmal neu Gedanken zu machen, ob ich jetzt abgezockt werde und ob das Trinkgeld jetzt gerechtfertigt ist oder nicht. Die Taxifahrer wissen übrigens nix von dieser Routine, ich erzähl das nicht. Wie würde Jürgen der Taxifahrer das denn finden? Ist es ok, das so zu machen oder findet er das blöd?

    Gefällt 1 Person

    Antwort

    1. Jürgen findet das bestimmt Klasse mal ein bisschen was rüberwachsen zu lassen. Die schnellste Strecke ist leider nicht immer die sicherste geschweige denn die schönste. Das ist halt wie im Restaurant, wenn’s gut geschmeckt hat, die Bedienung trotz Hektik auch noch gute Laune verbreitet, kann man ruhig etwas großzügig sein.

      Gefällt mir

      Antwort

  2. Ziemlich Einsteinig verfahren.
    Außerdem heiße ICH Jürgen und habe ein Copyright darauf.
    Jürgen aus Loy (PJP)

    Gefällt 1 Person

    Antwort

    1. Jedenfalls haben die Regentropfen das Plakat zum Sprechen gebracht; allerdings scheint sich der dortige Platz zu einem Wallfahrtsort zu entwickeln, dessen Folgen noch gar nicht absehbar sind. Schönen Sonntag noch von Taxijürgen

      Gefällt mir

      Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s