20170314_180036.jpgEin seit Jahren gesuchter Serientäter ging der Berliner Fahrradschutzstaffel kürzlich ins Netz, als er es sich gerade auf seiner Platte gemütlich machte. Immer wieder stellte er sich unvermittelt ahnungslosen Augen zufälliger Passanten zur Schau.

Sein Pflichtverteidiger wies auf den unschuldig erlittenen Unfall bei einer Feier zur Rechtschreibreform von 1996 hin. Deren Vorgängerin unter Reichserziehungsminister Bernhard Rust musste 1944 kriegsbedingt verschoben werden; immerhin wurde wenigstens zwei Jahre vorher die Frakturschrift abgeschafft. Seit diesem verhängnisvollen Tag leide er unter Gedächtnisverlust und wohne völlig mittellos mal hier, mal da.

Gelegentlich biete der Bindestrich eine hervorragende Gedächtnisstütze für den hilflos im übermächtigen Informationsfluss rudernden Leser, der den Anfang eines Wortes schon vergessen hat, bevor er an sein Ende gelangt. Außerdem erfülle er eine wichtige Aufgabe im Satzgefüge. Sobald nämlich dort das  erste Teil gleichrangiger Worte Platz genommen hat, stoße er in seiner Eigenschaft als Hofzeremonienmeister mit dem Stock auf, um die nächste Exzellenz samt Gefolge anzukündigen. Endlich gesellt sich zu dem meist mit einem Großbuchstaben angeführten Wort ein gleichberechtigter Partner hinzu. Befreit  von Unterjochung auf ausgetretenen Pfaden findet der Leser Ruhe für eine neue Sinngebung.

Im übrigen fordere er, dass sich dieses auch in der Lautsprache niederschlage, wolle aber die Vertonung des Bindestriches der Phantasie überlassen. Unterstützung fand dieser Vorschlag bei den dreifach aufeinander folgenden Buchstaben, die wenigstens erklingen wollen in dieser schnelllebigen Zeit. Zumindest sollte er fetter geschrieben werden, damit er nicht in negativer Absicht mit dem Minuszeichen verwechselt wird, regte Dr. Förster-Kluge als Sachverständiger an.

Der Antrag auf Befangenheit wegen darauffolgenden Lächeln des Richters wurde abgelehnt. Nachdem die Staatsanwaltschaft die Anklage wegen vorsätzlischen Missbrauchs und Amtsanmaßung gegen die damaligen Kultusminister verlesen hatte, kam es zur abschließenden Urteilsverkündung. Die Taten seien inzwischen verjährt und den Bindestrich als Zeichen sprachlichen Unvermögens zu setzen, sei nicht strafbewehrt. Sicherlich im pädagogischen Übereifer damaliger parteilicher Einflussnahme geboren, findet sie doch ihre eifrigen anpassungswilligen Mitläufer. Mode ist Geschmackssache und darüber lässt sich bekanntlich gut streiten. Zwecks Einholung eines neuen Gutachtens in der beantragten Revision, wird der Prozess bis auf weiteres vertagt.

 

 

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

4 Comments

  1. Wie geil ist das denn! Und dann so ein unscheinbarer Titel!

    Gefällt 1 Person

    Antwort

    1. Dankeschön, das freut mich.⛱ Hoffentlich komme ich wegen sowas mit Bewährung davon.

      Gefällt 2 Personen

      Antwort

      1. Mit Bindestrichen ist halt nicht zu spaßen.

        Gefällt 1 Person

        Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s