Der bittersüße Geschmack auf seiner pelzigen Zunge ließ selbst nach vielen Stunden kaum nach. Erst Tage später konnte er wieder sprechen; zuvor waren es nur undeutliche Satzfetzen unterbrochen von Grunzen, Pfeifen und Schreien. Auch wenn er mit leeren Händen zurückkehrte, war seine Reise dennoch nicht umsonst.

Nach langer vergeblicher Suche war der Ort endlich wiedergefunden. Das eisige Hochtal inmitten wolkenverhangener Gipfel war rasch durchschritten. Allmählich führte ein manchmal nur schwer zu erkennender Wildpfad hinab. Es wurde Mittag bis sich die Terrassen eines von allerlei Sträuchern überwucherten ehemaligen Weinberges zeigten.

In mildes Sonnenlicht getaucht suchte sich das glasklare Wasser eines kleinen Baches seinen Weg durch blumenübersäate Wiesen. Angelehnt an eine der rötlichen Mauern entlang des Hanges ließ er seinen Gedanken freien Lauf. Vertraute schwere Düfte tropischer Blüten durchzogen das breite Tal. Eine laut zwitschernde Vogelschar naschte von den letzten Beeren der Misteln.

Während sich eine sanfte Briese in den weitausladenden Ästen alter Obstbäume verliert, durchstreift eine grünlich schimmernde Schlange fast unmerklich das Gestrüpp. Schnaufend durchbricht eine Gestalt den dunklen Waldessaum und stürzt ohne Zögern auf einen Baum zu, dessen Wurzeln einen menschengroßen Felsbrocken umklammern.

„Nimm“, raunt es in den Zweigen. „Soviel du willst“. Das lässt sich diese natürlich nicht zweimal sagen. Immer neue Wünsche lassen sich vernehmen. Nach geraumer Weile wird die Frage, wie lange das denn gewährt sei, mit einem „Für immer und ewig wirst du leben.“,beantwortet. Daraufhin verhallt das Echo des meckernden Lachens, verwandelt sich in fast lautloses Stöhnen und wird vom Summen eifriger Bienen schließlich verschluckt.

Mit einem Ruck fuhr er erschrocken hoch. Aus den Augenwinkeln sah er einen Schatten in den unregelmäßigen Ritzen zwischen den Sandsteinblöcken verschwinden. Trotz seines entsetzlichen Durstes entfloh er ohne lange zu zögern diesem Ort. Stolperte dann mitten in der Nacht endlich über die Türschwelle und versank sogleich in traumlosen Schlaf.

Die meisten glaubten natürlich kein Wort von der Geschichte. Selbst seine Frau vermutete eher, dass alles nur erfunden war. Erst das Blaue vom Himmel versprechen und dann wahrscheinlich mit irgendwelchen Saufkumpanen versacken. Vielleicht sogar fremdgegangen oder jemand hat ihm was in den Tee getan. Na ja, um geschickte Ausreden ist er noch nie verlegen gewesen, was ihrer Zuneigung aber keinen Abbruch tat.

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s