„In die Gartenstraße bitte. So schnell wie möglich.“ meinte die Charlottenburger Aktentasche, bevor sie auf die Rückbank plumpste. „Sie sehen so aus, als ob wir das schaffen können.“    „Wo soll die denn sein?“ Jürgen kratzte sich nachdenklich am Kopf.  „Das müssen Sie doch wissen. Sie sind doch der Taxifahrer.“ Unter den vielen einigten sie sich schließlich auf eine in Zehlendorf.  Wenigstens hatte der Schneeregen die letzten Radfahrer von der Piste vertrieben. Die frischgestreuten Salzkörner klackerten gemütlich an die Kotflügel.

Endlich bot eine rote Ampel Gelegenheit den Stadtplan zu Rate zu ziehen. In der Ecke war er nicht wirklich zuhause und vom Navi hielt er nicht allzuviel. Sein Fahrgast wurde sichlich nervös. Vielleicht beruhigte ihn ein Blick in die Karte. So bat er freundlich doch auch mal hineinzuschauen, da er sich besser auf die Straße konzentrieren wolle. „Geben Sie mal her.“ ließ dieser leicht pikiert vernehmen. So etwas kann leicht schiefgehen und hatte schon einmal zu Schnappatmung geführt.

„Vorne an der nächsten Kreuzung nach rechts und dann die erste Straße wieder links.“ Gerade wollte er auf die rechte Abbiegerspur wechseln, als von hinten ein: „Wo wollen Sie denn hin?“ kam. „Na, Sie sagten doch eben noch nach rechts.“ In diesem Moment wurde seine Statistik über die Verwechslung von rechts und links etwas zugunsten der weiblichen Kandidaten verschoben. „So. Und nun rechts nach etwa hundert Metern.“ Eine holprige Nebenstraße nahm sie in ihre Arme. „Hat doch gut geklappt und rechtzeitig auch noch.“  „Man muss halt zusammenarbeiten, wenn man das gleiche Ziel hat.“  Darin waren sie sich einig. Ein paar Scheine und  Grüße wechselten den Besitzer; dann ging es wieder zurück in die Zivilisation.

Jürgen hat eine einfache Theorie: Frauen können sich im allgemeinen leichter in das Gegenüber versetzen. Spiegelbildlich gesehen, bedeutet dann nach rechts natürlich nach links vom anderen Standpunkt aus. Auch auf anderen Feldern wie beispielsweise in politischen Auseinandersetzungen ist Ortsbestimmung nicht immer ganz leicht. In der Wahl der Mittel sind die eifrigsten Anhänger jeweiliger Wahrheiten nicht besonders zimperlich. Das Ziel eine einigermaßen gerechte Gesellschaftsordnung zu erreichen,  wird bei mangelnden menschlichen Qualitäten, wie Güte, Humor, Vernunft, Lauterkeit, mit Sicherheit verfehlt.

Jedenfalls ist ihm jemand, der auch fünf mal gerade sein läßt, lieber als ein verknosterter Prinzipienreiter. Eben schneit ein Funkauftrag herein und unterbricht seine Gedanken. Im fahlen Licht der Peitschenlampen rauschen die Straßennahmen fast unleserlich vorbei. Da vorne wartet draußen schon das nächste Opfer seiner Fahrkünste. „Nach Tegel, bitte“   „Zum See oder zum Flughafen?“ Das fand nun gar keinen Anklang und so müssen hier leider die Aufzeichnungen aufgrund der Jugendschutzgesetze abbrechen.

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

6 Comments

  1. Wie man es auch macht, ist es falsch … 🙂

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    1. Wer nichts macht, kann auch nichts falsch machen.🐰

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  2. Schön! Genau das Richtige an einem grauen Montagmorgen 😉
    Beste Grüße, a

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  3. Einem jeden recht getan ist eine Kunst die niemand kann…

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  4. Es sei denn jeder hängt geschwind
    zur Wahl die Fahne in den Wind

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