IMG_1479.jpgErste Risse durchziehen schon die Grasnarbe, als sich der graubraune Stamm gefährlich neigt. Nicht schlecht staunt der Specht über seine ungeahnten Kräfte. Sein eifriges Hämmern, Bohren und Wühlen bis er irgendetwas Grünes freilegt, ist diesmal von unerwarteter Wirkung.

Jahrhunderte scheinen vergangen zu sein, seit der Schlaf ihn einfach übermannt hatte. Nur langsam kehrt die Erinnerung zurück. Vorsichtig streckt er seine vor Schmutz starrenden Glieder in der milchigen Morgensonne. Immerhin liegt die Beute noch unberührt da. Als alles gut verscharrt ist, fällt er mit wenigen heftigen Schlägen ein paar der abgestorbenen Bäume des nahen Bergwaldes. Kreuz und quer darüber geschmissen, zeigen sie das Bild unberührter Natur.

Das weiche Wasser eines Moores stillt seinen unbändigen Durst; zugleich verleiht es  seiner schuppigen Haut erneut samtigen Glanz. Für das Mittagessen stellt sich unverhofft  ein zuvor gut gegrilltes Wildschwein zur Verfügung. So gut gestärkt, sollte einem kleinen Ausflug nichts mehr im Wege stehen.

Dank günstiger Aufwinde war schnell an Höhe gewonnen. Nach vielen Stunden zog ihn weiter unten unwiderstehlich eine goldene engelsgleiche Figur auf einer Säule in ihren Bann. Eine Stadt, welche solcherart ihren Reichtum unverblümt zur Schau stellt, war ganz nach seinem Geschmack. Da war bestimmt was zu holen. Er konnte es nicht lassen, beim mehrmaligen Umrunden wenigstens daran zu schnuppern.

Nach der langen Reise wurde es allmählich Zeit den alten Drachenrastplatz aufzusuchen.  Angenehm überrascht ließ sich dort ein inzwischen gebauter weiträumiger Unterstand mit halbrunden Einfluglöchern entdecken. Gemütlich an eine Balustrade gelehnt, wobei er beim Dösen immer abwechselnd ein Auge offen behielt, wurde er nach kurzer Zeit unfreiwillig Zeuge einer geisterhaften Unterredung mit einem unsichtbaren Partner.

Einzelne undeutliche Wortfetzen dringen an seine gespitzten Ohren. „Nach Plan B also im nächsten ………platzen lassen… vom Bundesrechnungshof …… jedenfalls nichts mehr….Informationssperre….. ja….doch….IFG nicht anwendbar……..in nächtlicher Abstimmung vor der letzten Wahl…..dem…. in die Schuhe….Suppe auslöffeln….Ja gut, also…. aussetzen.“ Trockenes Aufschluchzen ist zu hören. „Trotzdem, eine gute Idee als Retter in der Not wieder aufzutauchen.“ Schritte nähern sich. Ihre Blicke treffen sich. Gegenseitiges Erschrecken. Der arme noch unerfahrene Drache erstarrt vollkommen. Das bei manchen älteren Exemplaren oft zu beobachtende grimmige Funkeln inmitten faltiger Hautlappen fehlt bei ihm glücklicherweise noch.

„Lassen sie das bloß wegräumen, da wird einem ja angst und bange. Welcher…..Künstler hat sich das denn ausgedacht?“ Die Schritte entfernen sich langsam. Wahrscheinlich würden sie ihn im Schlaf heimlich fortschaffen und an der tiefsten Stelle der Spree versenken; nur damit die Leute nicht erfahren, dass ein Drache im Garten haust.

Seine Dienste zur Rettung des europäischen Wertes konnte er immer noch anbieten. Die waren jedenfalls klamm, soweit er heraushören konnte. Bei angemessener Tolerierung seiner Lebensweise bei freier Kost und Logis ließe sich da durchaus was machen. Er sieht es schon vor sich, wie sie ihm ein Denkmal errichten. Sicher es gab schon mal einen Fugger, der damals eine Kaiserwahl finanzierte mit dem Bestreben Europa zu einen. Schulden wurden damals durch den Handel mit Ablassbriefen beglichen, was an die heutigen Bundesschatzbriefe erinnert. Irgendjemand weiß bestimmt Rat, wie man da helfen könne angesichts der vor sich hingaloppierenden Staatsschulden.

So drehte er noch einmal leise fauchend eine Ehrenrunde.Tränen der Rührung liefen seine Wangen hinunter, um schließlich zischend auf dem Boden zu zerplatzen, wo sie mehr oder weniger große Löcher hineinfraßen. Ein Besuch seiner weitläufigen Verwandtschaft stand an. Die hatten meistens ein paar gute Ideen und ein wenig Erholung tat nach dieser Begegnung ohnehin ganz gut.

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

10 Comments

  1. Geschichten mit Drachen sind immer sympathisch.

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    1. Ab und zu sollte man schon etwas Nettes schreiben. Das Foto ist übrigens bisher eines der letzten Lebenszeichen des mutigen Reporters.(dpa)

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      1. Gefährliche Gegend da. Vor allem im Winter, wo die Verkaufsstellen für Notfallalkohol zu sind. Da kann einen schon mal die Verzweiflung übermannen.

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  2. Eigentlich eine einzige Schande, dass sie wieder mal nur die oberen Zehntausend ob der immensen Preise einen Drachen in den Garten stellen können …

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    1. Schulz will,wie ehedem Siegfried,dagegen ankämpfen und zukünftig mit seiner Partei an die Menschen denken.

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      1. Das sagen Schulz und Konsorten seit Ewigkeiten. Allein …

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  3. Ich bedank mich für Dein Like.

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