Südlich von Berlin erstreckt sich der von zahlreichen Gewässern duchzogene Spreewald, zugleich Siedlungsgebiet des indigenen Volkes der Sorben. Umgeben von licht ausgestreckten Kiefern- und Birkenwäldern bietet er Platz für allerlei dem ungeübten menschlichen Auge verborgenes Getier. Absonderlichste Wesen bevölkern die Ufer der sich durch moorige Wiesen schlängelnden Spree.

Auf sonnig herbstlich angehauchten Lichtungen atmet es, weder Pflanze noch Tier, die vielfältigen Düfte ein, welche ihm von stürmischen Winden zugetragen werden. Will man ihm an den Kragen, liegt er schwer, ganz schwer, im Magen. Hinsichtlich der Wirkstoffe ist übrigens nicht jeder Fliegenpilz gleich.

Nichtsdestotrotz lässt er sich doch besiegen; man ziehe ihm als Jüngling die Haut ab, werfe ihn in kochendes Wasser oder lege ihn für eine Nacht in Buttermilch ein. So gut vorbehandelt läßt er sich wie andere Pilze zubereiten. Auch die Milch erfüllt noch ihren Zweck und lockt Fliegen und Mücken an, die in diesem Landstrich eine wahre Plage sind. Will man seine Fähigkeiten ohne Schaden vollumfänglich kennenlernen, dörrt man ihn über der Glut von Lindenholzkohle und mischt ihn kleingeschrotet unters Futter.

Aus der Milch so versorgter Ziegen oder Schafen läßt sich ein zauberhafter Quietschkäse herstellen. Für die Entstehung eines wohlschmeckenden Würzweines, in welchem sich die berühmten Spreewaldgurken tummeln, wird unter anderem seine getrocknete Haut benötigt. Alljährlich Anfang November wird dort, wie aus alten Urkunden hervorgeht, in manchen Dörfern ein großes Fest bis zur Besinnungslosigkeit gefeiert. Ohne auf Einzelheiten näher eingehen zu können, stellt sich zuverlässig nach langem Schlaf  sofortiges Vergessen ein. Bis in die heutige Zeit hat sich daselbst der Brauch erhalten, einen mit hiesigen Köstlichkeiten gefüllten Präsentkorb, zur Freude der jeweiligen Herrscher, per Boot in die Hauptstadt zu schicken.

Ab und zu geruhen diese durchs Land zu ziehen und werben um Zustimmung. Diesmal scheint jedoch einiges drunter und drüber zu gehen; sogar eine dringliche Reisewarnung wurde herausgegeben. Gemäß Empfehlungen der Regierung sei genügend Bargeld mit sich zu führen und auch ausreichende Vorräte seien anzulegen. Geringverdiener sollen auch an das Alter denken und nicht gleich alles auf den Kopf hauen. Zur Sicherheit wolle man für mehr Licht auf öffentlichen Plätzen sorgen. Bewaffnet mit einer Blockflöte ließen sich Gefahren spielend überwinden. An Brennpunkten, wie z.B. dem beliebten Görlitzer Park, suche man das Gespräch mit den dort heimischen Drogenhändlern und möchte so den gesellschaftlichen Zusammenhalt nachhaltig fördern.

Laut des europäischen Gerichtshofes haben jetzt wenigstens, zwecks freien Warenverkehrs, Polenböller Zugang zum Markt erhalten, auch wenn sie nicht den bisherigen  Sicherheitsüberprüfungen standhalten. Freihandelsabkommen sind ein weiterer Schritt der Diskriminierung durch Handelsbeschränkungen entgegenzutreten.  Mit europäischen Normungen, welche in Zusammenarbeit mit Beratern seitens der Industrie von Kommissionen durchgesetzt werden, können ungeeignete Konkurrenten verdrängt werden. Besondere regionale Produkte haben sich mittels findiger Einflussnahme bisher allerdings die Gunst erhalten.

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

9 Comments

  1. Ein sehr erhellender Beitrag. 🙂

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    1. An alles kann ich mich nicht mehr so genau erinnern, aber so könnte es gewesen sein. LG.

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      1. Eine fantastische Stimmung herrscht mitten im Spreewald!

        Ich bin da mal vor vielen Jahren mit einem alten kleinen Boot bissle auf der stillen Spree herumgestochert.

        Das habe ich immer noch gut in Erinnerung.

        Herbstgrüße vom Lu

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  2. Spreewald ist toll, aber Quietschkäse habe ich auch noch nie gehört.

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    1. Im Lappland gibt es Renntierkäse, der wohl an den Zähnen quietscht; so ähnlich wie bei Seitan. Die Bezeichnung fand ich einfach passend in dem speziellen Fall. Lg.

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      1. Das lädt jetzt nicht gerade zum probieren ein 😉

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        1. Immerhin, habe ich gerade erfahren, lassen sich durch das Quietschen sogar Wölfe, die es dort zuhauf gibt, ablenken.

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