IMG_1233.jpgIm Strafvollzug sei er hoffentlich gut aufgehoben, hieß es in dem Schreiben. Bis zum Antritt könne er seinen Resturlaub nehmen und man wünsche viel Erfolg an seiner neuen Wirkungsstätte. Diakon Blech runzelte besorgt die Stirn und überflog noch einmal den Anlass seiner ungewollten Versetzung. Der rein fiktionale Brief an den Untersuchungsausschuss sollte verschiedene Sichtweisen auf ein- und dasselbe Geschehen verdeutlichen; so wie Zeugen auch die widersprüchlichsten Aussagen, abhängig von ihrer persönlichen Einstellung und ihrem Urteilsvermögen, machen können.

Im Einvernehmen mit der örtlichen Verwaltung sind die folgenden Anklagepunkte zu prüfen. Eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ist durch die Äußerung zu befürchten, er wäre nicht gekommen, um Frieden zu bringen. Die Zurücksetzung von Reichen hinter Kamele, welche eher durch das Nadelöhr, eines der Stadttore, kämen, ist beleidigend,  wenn auch vielleicht humoristisch gemeint. Mit der Ankündigung, er wäre mitten unter ihnen, wo zwei oder drei sich in seinem Namen treffen , liegt eine sektiererische Verschwörung vor. Diskriminierende Mißachtung und Verunglimpfung anderer Glaubensbekenntnisse zeigen sich in der Bevorzugung der Handlungsweise eines Samariters. Es stellt sich auch die Frage, ob nicht in der Formulierung: “ Liebe deinen Nächsten.“  bewußt verschleierte Ausgrenzung stattfindet. „Liebe alle.“ klingt jedenfalls wesentlich eindeutiger. Schließlich rundet der Ausspruch : „Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen.“ das bedrohlich wirkende Bild eines zu erwartenden  Aufruhrs ab.

Unter dem Vorwand sich anschließen zu wollen, konnte Kontakt zu einem seiner Anhänger, der sich später vermutlich selbst richtete, aufgenommen werden. Diese Maßnahmen brachten endlich Aufschluss über dessen Aufenthalt und führten zu sofortiger Festnahme. Gegebenenfalls ist eine Volksabstimmung nach geeigneter Aufklärung in Betracht zu ziehen. Falls diese Bewegung nicht anders integriert werden kann, ist durchaus nach Anpassung an gängige Vorstellungen eine einverträgliche Übernahme denkbar.

Immerhin wird er ab jetzt genug Zeit für seine Hobbys finden. Es ist zumindest nicht anzunehmen, dass er dort viele Fragen zur Auslegung beantworten muss. Wahrscheinlich gibt es sogar neue Einblicke in deren Welt und ein paar anregende Ideen für Geschichten gratis dazu.

 

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

2 Comments

  1. Wo geht’s denn hin? In Plötzensee kenn ich welch. Die sind einhellig begeistert von den Arbeitsbedingungen und loben den Senat übern grünen Klee.

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    1. Da gibt es alles, was man so braucht im Leben, hört man so. Doch soviel Gnade kriegt der Diakon wohl nicht.

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