IMG_1219.jpgSchneller als erwartet kriechen dunkle Schatten über die gelben Stoppelfelder. Eben noch unter leuchtenden Abendwolken windet sich der sandige Pfad nun durch wildes Gestrüpp entlang eines fröhlich vor sich hinplätschernden Baches. Verborgen von einer dichten Hecke schlägt ein Hund an. Wütendes Gebell und zur Abwechslung tiefes Knurren begleiten den eiligen Rückzug. Fast läßt sich heißes Hecheln im angespannten Nacken verspüren.

Nach endlos vielen Metern gabelte sich der Weg. Er hielt inne, drehte sich um; nichts war zu erkennen. Das eigene Schnaufen hatte ihn wohl genarrt. Besser schien es das Ganze zu umgehen. Man hatte ja schon viel gehört. Wahrscheinlich wäre er schon einer Randnotiz in den Nachrichten wert. Notdürftig unter Zweigen  verscharrt fand man den lange vermißten Urlauber auf. So ähnlich würden dann die wenigen Zeilen in der Rubrik Vermischtes lauten. Den erhofften klaren Kopf nach einem kleinen Spaziergang hatte er jetzt.

Nur schemenhaft gab die Lücke zwischen den mächtigen Baumkronen die ungefähre Richtung vor. Seine Füße tasteten sich entlang der raschelnden Grashalme in einer tiefen Fahrspur vorwärts. Leicht ansteigend ging es mit nach vorne ausgestreckten Händen vorbei an rauen Stämmen und spitzen Nadeln weiter. Allmählich lichtete sich der Wald auf einer kleinen ebenen Anhöhe. Fern schienen erste Lichter zu schimmern. Erleichtert bewegte er sich auf sie zu. Glühwürmchen trieben ihr Spiel zwischen den Zweigen. Eins war sicher: er hatte sich einigermaßen verfranzt.

Erschöpft hockte er sich auf die vermoosten armdicken Wurzeln eines so mit einem felsigen Vorsprung fest verwachsen riesigen Baumes.  Seine Hand strich vorsichtig über dessen glatte Rinde. In welcher Begleitung ließe sich solch ein dunkler Wald ohne jede Vorbehalte bedenkenlos durchqueren? Überhaupt einfach so fragen zu können gab den Gedanken freien Lauf. Seltsam geborgen allein schlummerte er mit widen Träumen dem neuen Tag entgegen bis ihn morgendliche Kühle weckte.

Außer ein paar würzigen Keksen, direkt vom noch warmen Backblech genascht, hatte der Bauch nichts mehr zu tun bekommen. Frühstück ans Bett war hier kaum zu erwarten. Vereinzelte wärmende Sonnenstrahlen schienen durch das herbstlich angehauchte Laub. Wenige Augenblicke später tauchten wie eine Fata Morgana erste Häuser auf. „Schon so früh unterwegs gewesen? Das war ja mal wieder eine echt geile Fete. Die Bowle und natürlich das Gebäck kamen gut an.“ Etwas verlegen zwinkerte er zurück. Der Geruch von frisch gekochten Kaffee durchzog die Luft. Üppig belegte Brötchen verlockten zum Reinbeißen.

 

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

2 Comments

  1. Darf die Lektorin eine kleine Korrektur zur sonst sehr stimmigen nächtlichen Albtraumgeschichte vorschlagen? Im Herbst gibt es keine Glühwürmchen mehr , denn die Leuchtperiode der Leuchtkäfer in Mitteleuropa liegt in der Regel zwischen Juni und Juli .
    Ich wünsche einen schönen Sonntag vom Dach in Hanau.

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    1. Vielen Dank für den sommerlichen Hinweis. Schöne Sonntagsgrüße zurück aus Berlin.

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