013d85ad668a278b78021797f49aff70949cdde7bbIn einem winzigkleinen Ländchen herrschte einmal ein armer König namens Hildbert der Lange mit seiner Gemahlin Sophie die Runde. Von Zeit zu Zeit pflegte er seine seltsame Angewohnheit die Leute zu befragen, ob sie denn zufrieden seien. Seine Kundschafter spitzten ihre Ohren wegen derer Nöte, da der Zehnt immer widerwilliger abgegeben wurde. Kaum noch komme man über die Runden, müsse sich den ganzen Tag lang plagen, so sprachen sie.

Eingedenk der alten Losung: „Morgen, morgen spricht der Tor, Kluge bauen heute vor.“ legte er große Vorräte an, von denen es sich in schlechten Jahren zehren ließ. Doch allzu wenig blieb für Wissenschaft und Künste übrig. Arme, Kranke und Alte wollten versorgt werden und das löchrige Dach seiner geliebten Bibliothek konnte wieder nur geflickt werden.

Da saß nun der bedrückte König und spann so seine Gedanken vor sich hin. Ohne Unterlass klopfte jemand an die dunkle eisenbeschlagene Eichentür seines Schlosses. Ratgeber Dr. Feinschliff forderte  Einlass und bat geflissentlich mit den Füßen scharrend um Gehör. Die Nachrichten von sagenhaften Reichtümern eines bis dahin unbekannten Landes erweckten seine Neugier. Das Rezept dafür hieße einfach Wachstum; das sei seit langem bestimmt. So ist es überall, jedenfalls laut seines Wissens, antwortete er auf Nachfrage des erstaunten Königs. Seine Bedenken, daß Bäume nicht in den Himmel wüchsen, zerstreute dieser mit dem Hinweis, es sei genug für alle da, die Welt wäre seit neuesten Erkenntnissen schließlich unendlich groß.

Begeistert von solch frohen Zukunftsaussichten wurde von den meisten beschlossen die Regel, nur soviele in die Welt zu setzen wie wegsterben, abzuschaffen. Der neue Glaube nannte sich : Vorwärts, der Bessere möge gewinnen. Seid fruchtbar und mehret Euch bedeutet einfach nur immerfort soviele Kinder wie möglich zu machen und nicht etwa wie bisher Leben zu erhalten und den Geist zu stärken.

Schon nach kurzer Zeit vermehrte sich mit der Eroberung neuen Landes allseits der Reichtum. Neid und Gier beflügelten die Anstrengungen bis schlussendlich die eigenen Heere puppenhafter Soldaten aufeinander stießen. Anfeuernde Rufe ließen ihn nicht länger ruhen, verwundert rieb er sich die Augen. Das Feuer im Kamin knisterte vor sich hin; sein holdes Weib blätterte in ihrer Lieblingslektüre. Es pochte leise an der Tür. „Der Herr Dr. Feinschliff möchte Euch einen Besuch abstatten.“   „Ach, ja. Der kommt mir gerade recht. Lasst ihn schon mal unten Platz nehmen“  Als er die Wendeltreppe hinunterschritt überlegte er, ob es nicht ratsam wäre, diesen vorsichtshalber für ein paar Wochen in Ketten zu legen. Aber erst einmal wollte er doch der alten Krähe neueste Berichte hören.

 

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

3 Comments

  1. … der König riss sich los vom Kamin, blickte von seinem königlichem Fenster hinunter in den Hof und sah, dass es dort vor lauter Dr. Feinschliffs nur so wimmelte …

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    1. Da ist guter Rat teuer. Wenigstens hat man alle beieinander.

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  2. Ganz toll das Bild dazu. In meinem Grill habe ich gar kein Spiegelkabinett, kann aber noch eingebaut werden…..

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