Sich in die Gedankenwelt der Täter von Brüssel und anderen Orten überall auf der Welt hineinzuversetzen, ist nur durch Aufhebung des Selbstschutzes möglich. Die äußeren Umstände betrachten, erlaubt Distanz vom Schrecken. Die USA, die Türkei, Rußland, Frankreich, Assad, die Rüstungslobby und für manche natürlich Israel oder wir sind schuld. Wer immer auch mit wir gemeint ist. Abstruse Theorien wie beispielsweise von außen gesteuerte Täter, umgeben mit dem romantischen Hauch von Che Gueverra, allein gegen die Ungerechtigkeit der Welt, tauchen auf. Die Tat verstehen, heißt sich dem Täter zu nähern. Andere Herangehensweisen verbleiben in äußerer Ursachenfindung.

Da sitzt also jemand bei zugezogenen Vorhängen allein in dem halbdunklen Zimmer. Zögernd bricht ein neuer Tag an. Ausgebreitet auf dem Boden liegen verschiedenste Waffen darunter eine Kalaschnikow und ein Sprengstoffgürtel. Seine Gedanken wandern zu den geliebten Angehörigen. Tränen voller Selbstmitleid rollen die bleichen Wangen herab. Ein letztes Gebet. Fast zärtlich mit nach außen gestreckten Handflächen schaut er auf. Eine ungeheure Erleichterung überkommt ihn. Der letzte Rest von Zweifel verschwindet, denn er ist auserwählt, die weite Reise in die Unendlichkeit anzutreten.

Innerer Frieden breitet sich aus und ein verklärtes Lächeln huscht über sein Antlitz.Sorgfältig ohne jede Hast kleidet er sich an. Mit dieser Tat werden alle seine früheren Taten gesühnt und auch alle anderen von ihren schändlichen Leben befreit. So ist es gewollt. Wer das Gesetz nicht einhält, ist kein Mensch mehr und die Strafe ereilt ihn unmittelbar. Später dann auf der Straße umarmt er mit stummer Gewißheit seinen besten Freund, bevor sie sich auf den Weg machen.

Ratlosigkeit und Entsetzen bleiben zurück. Entspechend ausgebildete Imame oder andere von diesen anerkannte Autoritäten können im Vorfeld einen Weg aus der Spirale der Gewalt zeigen. Ansonsten bleibt jeder in seiner eigenen Welt eingeschlossen.

 

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

6 Comments

  1. Das Selbstmordkommando ist doch eigentlich fester Bestandteil jeder Militärdoktrin, entsetzlich ist das zwar, aber ratlos sollte uns das nicht lassen. Es gibt doch genug Zeugnisse auch und grade in unserer Sprache. OK, der Tod wurde selten so direkt verherrlicht. Aber bekannt ist doch etwa der Flieger-Kult im 1. Weltkrieg, der bis heute nachwirkt: Klar, keiner will mit Bauchschuß tagelang im Niemandsland verrecken. Aber statt der Sehnsucht nach Frieden sprach man lieber von den Rittern der Lüfte, die prominent und heldenhaft am Himmel ihren Mann stehen und wenn, einen kurzen, sauberen und spektakulären Tod sterben dürfen(!). Ich muß da immer an Snoopy denken, wie er auf seiner Hütte den roten Baron zur Strecke bringt.
    Und Du vergißt die gedankenzerfetzende Kraft der Musik. Unsere Bärtigen Gotteskrieger nutzen da Sufi-Gesänge, ironischerweise gelten die Sufis in der islamischen Welt als die widerspenstigsten Freigeister. Ich persönlich würde allerdings zum Heldentod ein schottisch-englisches Piper-Regiment bevorzugen. Ein Dudelsack allein ist schon schlimm, aber im Rudel sind sie die Hölle!

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    1. Viele Nationalhymnen strotzen nur so von Gewaltverherrlichung, ohne Frage. Es geht darum sie zu verhindern. Allen gemeinsam ist Blindheit verbunden mit einer sich selbst rechtfertigenden Mission. Gewalt verlangt eine Antwort und als einzige Reaktion wiederum Gewalt reicht nicht aus. Pfeifen im dunklen Wald hilft auch nur bedigt weiter.
      .

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      1. Aber Pfeifen im dunklen Wald ist leider billig und schnell Wirksam. Genau wie das Frust-Bier. Alternativen sind aufwendig, teuer und in ihren Folgen oft unberechenbar. Gegen den dunklen Wald böte sich etwa an: Komplett abholzen, Instrumente draus machen und ein Symphonieorchester gründen. Dann bekommen wir als Ergebnnis Bodenerosion und auf der Strecke bleiben all die Elenden, die keine Noten lesen können. Alles ein zweischneidiges – haha – Schwert.

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        1. Allen kann man es nicht recht machen.

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    1. Diese Algen bedecken manchmal den ganzen Bachlauf. Im Dunkeln sieht es dann aus wie ein Weg…

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