0122fee524e2864e30cef512b3750da704f75ad04b.jpgVormittags lief es für Jürgen bis auf einen Aussetzer, als erster an der Taxihalte festgefressen mit fast einer Stunde Wartezeit, recht gut. Wie meinte ein Kollege mal: ich bin Fahrer kein Steher. Allerdings war dieser verwöhnt von umherirrenden Nachtschwärmern und hatte so aber auch einige Patienten mehr an der Backe. Von den Alkis kam fast immer nur derselbe Witz: „Ist das ne Stadtrundfahrt?“, weil sie vernebelt nicht mehr wissen wo sie sind und gereizt von eigener Unfähigkeit zum Angriff übergehen. „Ich hab genau gehört was du gesagt hast! Mich kann keiner nicht so einfach verarschen.“ Tja, da hieß es dann  erst mal ablenken und mit Samthandschuhen tastend  ein paar Streicheleinheiten verpassen.

Nicht umsonst sind Kenntnisse der Psychotherapie Voraussetzung zum Erwerb des P-Scheines, welcher die Aufnahme in den erlauchten Kreis studierter Taxifahrer erst ermöglicht. Vor einiger Zeit gab es eine Studie in London, wonach Taxifahrer vergrößerte Areale  der räumlichen Vorstellung und ihr verbundener Teile des Gehirns aufweisen. Die Vorstellung einer Raum- und Zeitkoordination durch das Mittelmaß übersteigende Gehirne behagte ihm durchaus.

Aus Gesprächen mit Kunden läßt sich vieles erfahren, was in keiner Zeitung steht. Als er letzten Sonntag am Nachmittag einen Clubmitarbeiter heimfuhr, ging es um Türsteher. Auf seine Frage, ob es da irgendwelche Probleme gäbe und eigene Erfahrungen schilderte, erhielt er eine aufschlußreiche Antwort: „Nee, mit den Kunden kaum. Es ist aber besser Türsteher aus hiesigen Familien zu nehmen“ In der Nähe war ein Rockernest ohne Motorräder, wo er schon öfter ein paar Jacken gesehen hatte. Vor lauter Muskeln konnten die kaum noch laufen. Falls mal jemand auspackt oder die Rangfolge nicht beachtet gibt es schon mal eine Stichelei. Die Krake hat bekanntlich viele Arme. Ein weiterer Punkt in seinem imaginären Stadtplan mit eingezeichneten Revieren.

Allmählich wird es flauer und die Zeitung will auch noch durchgeblättert werden. Auf diese Weise liest man wenigstens Artikel, die sonst online einfach übergangen werden. „Das könnte sie auch interessieren.“ Im eigenen Saft gekocht oder wie es mal ein Zeitungsfritze formulierte: Solange man sich nicht mit  dem Tablet den … abwischen kann, wird diese weiterbestehen. Ah, da kommt ja TT und es wird Zeit für einen Plausch bei einem Zigarettchen.

 

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

2 Comments

  1. Ach, ich bin so ein Taxifan. Quasi von der anderen Seite. Und was ich da alles erfahre. Und meistens fahre ich nachts und das ist eigentlich das Beste, weil die Stadt dann noch mal ganz andere Seiten zeigt…

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    1. In andere Welten eintauchen, korrigiert so manche Vorstellung und in der kurzen Zeit der Anonymität läßt sich fast alles ansprechen.Jürgen ist halt neugierig und ab und zu macht er ganz gern mal Andeutungen.Jemand in die Pfanne hauen liegt ihm aber nicht. Ist ja auch nicht seine Aufgabe.

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