IMG_0290Morgens um zehne macht sich Taxi-Jürgen auf den Weg zur Arbeit,wobei heute ist es Vergnügen.Eine halbe Stunde sollte reichen bis zur Potse, um Wally abzuholen. Mit der kann man richtig gut quatschen.Die Sonne ist auch schon aufgewacht und vertreibt letzte Schwaden feuchtkalter Nachtluft. Neben den Sitz die Zeitung eingeklemmt, ein Blick nach hinten:Ei gucke da, ein phony liegt friedlich auf dem Rücksitz. Manchmal machen Kunden gern mal Geschenke außer Regenschirmen und Handschuhen.Der wird sich wohl bald melden.Vorsichtig sich rückwärts aus der Parktasche tastend,halt: Ein ihn mit strengen Blick strafender Radfahrer will noch schnell vorbei.Geschafft.Also jetzt aber nix wie los.

Neulich erst  hatte er Zoff mit einer Radfahrerin,dabei wollte er nur  die Kreuzung freihalten. Hoffentlich steh ich jetzt nicht auf der Liste waren seine letzten Gedanken, als er auf dem Radstreifen stehen bleiben mußte.Inzwischen war es rot und sie kam immer näher, noch hatte sie nicht grün. Düsternis umzog ihre Lippen da ihr Weg versperrt erschien.Besänftigend fragte er,ob er ihr das erklären könne, was jedoch nur einen Schlag auf die Haube im Vorbeifahren und bei ihm freundlichstes Grinsen auslöste.Die spanisch sprechenden Fahrgäste blickten noch erstaunt, als sie sich nochmals umdrehte und die Zähne fletschte. Rad- und Taxifahrer sind halt natürliche Feinde und selbst die Evolution ist da bisher machtlos.

Zwanzig Minuten später steht er vor der Haustür und könnte noch eine qualmen. Nee, da ist sie ja sie schon.“Guten Morgen, Jürgen.“ wünscht sie  lächelnd und nimmt vorne, wie für Wessis üblich, Platz. „Moin, moin, Wally. Ins Büro?“  „Ja. Vorher aber noch zum Baumarkt ein paar günstige Regale kaufen.“  Das sei jedenfalls Chefchens letzter Wunsch gewesen, bevor er seit ein paar Tagen mit Grippe oder so das Bett hüten muß. Das heißt also schleppen und dann die Dinger aufbauen, denkt er.  „Kannst Du mir beim Aufstellen ein bißchen helfen?“  Wie sollte man jemandem mit solchen schönen grünen Augen, die ihn gerade verschmitzt anschauten, irgendetwas abschlagen.

Beim Einräumen der verschiedenen Kisten und Kartons gab einer mit der Beschriftung „Bosporus persönlich“ fast seinen gesamten Inhalt frei. Die obenauf liegenden zwei Ordner fanden erstmal den Weg zum Schreibtisch.Nachdem sich Jürgen mit einem großzügigen Trinkgeld in der Tasche verabschiedete, nahm sie die beiden Unterlagen näher in Augenschein.“Vergleichende Analyse gesellschaftlicher Organisationsformen“ lautete einer der Titel, was ihr Interesse ähnlich befeuerte wie das Lesen der Satzung eines Kleingartenvereins.Der zweite Ordner mit dem Titel:“Liste erfolgreicher Strategien“ enthielt ein handschriftlich ausgeführtes  Beilageblatt und die einzelnen Bemerkungen könnten so auch in einem Anleitungsbuch mafiöser Vereinigungen stehen.

Besonders folgende Punkte wie oberste Führungsprinzipien, Versprechen einer alle befriedigenden Gesellschaftsordnung, Verfolgung und Ausschaltung ihrer Gegner, Herabsetzung, Absprechen von Menschlichkeit sowie Ausstoß einzelner Mitglieder und Selbstaufgabe zur Erreichung des Ziels. Das war jedenfalls etwas mehr als eine Vereinssatzung. Also entweder Chefchen ist Blogbetreiber oder aber noch schlimmer war die auftauchende Frage, ob Dr. Förster-Kluge gar radikal oder so war. Mit diesen  beunruhigenden Gedanken vielleicht einer geheimnisvollen Sekte zuzuarbeiten, beschloss sie erst einmal die Goldfische im neu angeschafften Aquarium zu füttern, die auch schon verständnislos herumzuschwimmen schienen.

 

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Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

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