Von allen Wochentagen sind Montage anscheinend immer auf irgendeine Art und Weise gräulich, übertroffen vom Dienstag natürlich. Donnerstag ist eindeutig der beste von allen:das Schlimmste hat man hinter sich und der Sonntag winkt schon. Mit diesen Gedanken schloß W.Schlingolowicz die leicht knarksende Tür zum Büro der Parteizentrale auf. Büro? Noch nicht mal eine Abordnung des Vereins zum Schutz der bedrohten arktischen Kakerlaken würde hier Zuflucht vermuten. Doch bald schon würde neuer Glanz die Bude erleuchten und ein herzhafter Schubser an eine der gestapelter Kisten besänftigte etwas ihren Mißmut über das selbstgewähltes Schicksal.

Das war wohl doch etwas zu heftig und eine Seitenwand mit der Aufschrift: Persönliche Notizen Bosporus gab reißend nach. Also hieß es jetzt den untersten Karton herauszuziehen, was ihr als geübte Spielerin von Mikando leicht fallen sollte, sodann mit Umsicht und einer scharfen Klinge zu öffnen und alles auszuräumen. Mit sanften und geichmäßigen Druck strichen ihre Hände über den Riss. Perfekt, jedenfalls fast, stellte sie sich selbst lobend fest.Es läutete.Schnell füllte sie die Kiste und schob sie zu den anderen. Schon wieder ertönte die Klingel ungeduldig erneut. Es war nur der Paketbote mit den bestellten Hausschuhen. Erleichtert beschloss sie die Kaffeemaschine anzuwerfen und bei geöffneten Fenster eine Zigarette zu paffen.

Der Chef kam im Laufe des Tages auch kurz vorbei, freute sich über die bequemen neuen Schuhe und behielt sie gleich an.Da hatte er aber eine wirklich angenehme Mitarbeiterin gewonnen, auch wenn sie heimlich rauchte, wie er als passionierter Nichtraucher feststellen mußte. Im Nachhinein fiel ihm auf, daß der Stapel Kisten in der Ecke nicht den gewohnten Anblick hatte.Das war es! Die Reihenfolge hatte sich verändert.Oder täuschte ihn die Erinnerung? Hoffentlich stöberte sie nicht herum.Er beschloss sich ein Buch über Stasispitzel und ihre Methoden zu besorgen.Man weiß ja nie und ihr Nachname klang  ein bißchen russisch.Dabei hatten sie so schön geplaudert und auch so gefiel sie ihm ausnehmend gut.Auf alle Fälle würde er sich nichts anmerken lassen.

 

 

 

Veröffentlicht von schlingsite

Unverhofft kommt oft.

2 Comments

  1. ja die Sicherheit und der Staat…

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    1. Wir leben in einem sichersten Staaten der Welt.Das hat mir jedenfalls vor nicht allzulanger Zeit eine Unternehmerin versichert und Beunruhigungen, auch in Form von Satzzeichen, könnten unerwartete Irritationen auslösen.

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